Warum mit Weinbergschnecken?

Die Schneckentherapie ist ein Bereich der tiergestützten Therapie und Pädagogik. Meist werden dafür afrikanische Achatschnecken verwendet. Diese sind sehr groß und beeindruckend.

Ich habe mich ganz bewusst in meiner Arbeit für die Weinbergschnecke entschieden.

Sie steht stellvertretend für unsere einheimischen Schneckenarten, über die unsere Kinder meist nicht mehr viel wissen.

Ganz nebenbei kann so mein Schneckenteam Begeisterung und Respekt für kleine, eher unbeachtete Lebewesen in unserem Umfeld und für unsere Umwelt vermitteln.

Die Teilnehmer erleben das Wissen im Umgang mit der Schnecke und erfahren viele interessante Dinge. Ganz wichtig hierbei: Weinbergschnecken stehen unter Artenschutz! Sie dürfen also nicht einfach mit nach Hause genommen werden.

Die Größe der Weinbergschnecke erlaubt es mir, auch in Schulklassen, jedem Teilnehmer „seine“ Schnecke zu übergeben, ihm persönlich Verantwortung zu übertragen. Somit seine ganz persönlichen Erfahrungen zu sammeln und eine Beziehung zu dem Tier aufzubauen.

Weinbergschnecken sind ungiftig, haben kein Fell und keine Federn (Allergiker geeignet), beißen nicht und es gibt kaum traumatische Erlebnisse mit ihnen. Das eventuell vorhandene Ekelgefühl verschwindet schnell, wenn erst einmal der Kontakt zum Tier aufgebaut ist.

Schneckenflyer1
Schneckenflyer2

Was passiert in der Schneckentherapie?

Dies entscheidet sich nach den Zielen und dem Alter der Teilnehmer. Geht es mehr darum zur Ruhe zu kommen, reicht es die Schnecke zu beobachten. Zur Überwindung von Ekel oder Ängsten, zur basalen Stimulation und für die sensorische Wahrnehmung setzt man die Schnecke dem Teilnehmer auf die Hand.

Im Klassenverband gehe ich wie folgt vor: Die Schüler bekommen wichtige Informationen zur Schnecke und ihrer Handhabung, um das Tier nicht zu verletzen.

Zunächst dürfen sie auf einer Glasplatte das Tier beobachten. Kommt es raus? Wie bewegt es sich? Wie frisst es? Um das zu erreichen muss das Kind sich ruhig verhalten, Stillstand aushalten. Gelingt dies dem Kind, wird es „belohnt“ indem die Schnecke sich zeigt (operative Konditionierung). Bewegt sich das Kind hastig, geht die Schnecke sofort in ihr Haus zurück, es hat also eine direkte Konsequenz auf sein Verhalten.

Bei regelmäßiger Wiederholung dieser Arbeit lernen die Schüler ruhig zu bleiben, Stillstand auszuhalten, Geduld zu haben und sich auf eine Sache voll zu konzentrieren. Man kann darüber auch gut zum Thema Meditation übergehen.

Im Gehirn führt dies zur Bildung neuer neuronaler Strukturen, da Ruhe mit Freude assoziiert wird. Dies führt gerade im Bereich ADHS zu guten Erfolgen. Durch ihre Geschwindigkeit passt die Schnecke sehr gut zu den kognitiven Fähigkeiten von Menschen mit besonderen Bedürfnissen und lässt sich auch sehr gut in Behinderteneinrichtungen und Seniorenheimen einsetzen. Sofern der Teilnehmer es möchte, darf er von der Beobachtungshaltung nun dazu übergehen die Schnecke auf die Hand zu nehmen und auch über den Arm kriechen zu lassen und zu fühlen…

Emotionale Lernziele sind hier Geduld und Konzentration aufzubringen, Verantwortung zu übernehmen, Respekt vor anderen Lebewesen und ihren Bedürfnissen zu entwickeln, Überwinden von Ekelgefühl, Empathie und Achtsamkeit.

Über die Schnecke kommt man sehr gut ins Gespräch zum Thema Mobbing, Führsorge und Umgang mit Schwächeren und sich selbst, und kann den Teilnehmern zeigen, dass auch Schwächere tolle Stärken haben (Schnecke kann ihr Haus selbst reparieren, über scharfe Messerklingen unverletzt kriechen und Dinge anheben, die 15 mal schwerer sind als sie selbst, kopfüber hängen…).Ich lasse dann diese Stärken bei den Mitmenschen oder auch bei sich selbst finden. Wann ziehen andere ihre „Fühler“ ein, wann ich selbst? Wann verkriecht man sich ganz tief in sein „Schneckenhaus“ und warum? Was brauche ich oder der andere um da langsam wieder heraus zu kommen? So schulen uns die kleinen Schleimer auch in Fremd- und Eigenwahrnehmung.

Auch das Thema Stress lässt sich an Hand der Schnecken für Kinder gut beleuchten. Hierfür hat mir Frau Prof. Dr. Rita Triebskorn, von der Uni Tübingen netterweise Unterlagen und Forschungsergebnisse zur Verfügung gestellt. Ganz lieben Dank!!!

Natürlich finden diese Übungen altersangepasst statt, aber sie liefern tolle Ergebnisse, weil die Schnecke Gefühle sichtbar macht.

Für mich und alle Teilnehmer ist es eine beeindruckende und wunderschöne Arbeit.

Da die Einsatzmöglichkeiten und Ziele stark variieren, richten sich die Preise nach der jeweiligen Absprache.

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